Spezifisch oder Klischee?
Was heißt spezifisch zu sein - im Gegensatz zum Klischee?
Eine Darstellung wird man dann als Klischee bezeichnen, wenn der Schauspieler vorhersehbare, oft gebrauchte und verbrauchte Gesten und Gefühle benützt, die der Zuschauer kennt, die ihn nicht überraschen, nicht berühren, sondern ihn dazu verleiten, abzuschalten. Um das zu vermeiden, versuchen wir spezifisch zu werden. Jeder Mensch hat seine ganz eigenen spezifischen Gefühle und Gesten, man muß sich nur mal in der U-Bahn umschauen, wie verschiedenartig das Verhalten der Menschen ist und trotzdem machen sie alle das Gleiche - sie fahren U-Bahn, langweilen sich, denken nach ect.
Was heißt "emotional memory", sense memory", "Personalisation", "Tierübung", "Object" ect.,? Warum brauche ich sie und wie kann ich sie einsetzen?
Alle diese Übungen dienen einem einzigen Ziel, eine Szene nicht zu acten, d.h. zu "spielen" sondern sie zu leben. Als Rollenfigur lebendig zu werden.
Hat sich schon Shakespeare mit seinem " Hamlet" in der Rede an die Schauspieler über acten und wildes chargieren aufgeregt und geärgert, umsovielmehr ist heute Lebendigkeit auf der Bühne - aber unumgänglich im Film und Fernsehen gefragt, da die Kamera gnadenlos ist.
Hamlet
"Oh, es ärgert mich in der Seele, wenn solch ein handfester, haarbuschiger Geselle eine Leidenschaft in Fetzen, in rechte Lumpen zerreißt, um den Gründlingen im Parterre in die Ohren zu donnern, die meistens von nichts wissen, als verworrenen stummen Pantomimen und Lärm. Ich möchte solch einen Kerl für sein Bramarbasieren prügeln lassen."
"Oh es gibt Schauspieler, die ich habe spielen sehen und von anderen preisen hören und das höchlich, die gelinde zu sprechen, weder den Ton, noch den Gang von Christen, Heiden oder Menschen hatten und so stolzierten und blökten, dass ich glaubte, irgend ein Handlanger der Natur hätte Menschen gemacht und sie wären ihm nicht geraten, so abscheulich ahmten sie die Menschen nach."